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Stadt Wien(er Neudorf): Wöhrleitner stellt sein Leitbild vor

Nun ist die Katze aus dem Sack! Ende September wurde im spärlich gefüllten Glassaal des Migazzihauses das offizielle Leitbild für 2030 präsentiert. Darin sollten sich die Wünsche der Wiener NeudorferInnen aus dem Leitbild-Prozess der letzten Monate wiederfinden. Das Ergebnis sollte von allen Fraktionen mitgetragen werden. Konkretisiert wurden letztlich lediglich die Visionen der Bürgermeisterregierung, die jedenfalls anschaulich mit teuren Skizzen eines Architekten präsentiert wurden.

Grundlage der Leitbild-Entwicklung war u.a. die Auswertung der BürgerInnen-Befragung vom Februar 2012. Als Thema Nr. 1 wurde mit großer Mehrheit einmal mehr die Verkehrsbelastung bzw. deren Reduktion identifiziert. Interessante Fakten, die die Infrastruktur Wiener Neudorfs beeinflussen (Quelle Statistik Austria):

–       Erwerbstätige Wiener Neudorfer Gesamt: 4.303

–       Erwerbstätige Wiener Neudorfer in Wiener Neudorf: 836 (20 %)

–       Erwerbstätige Auspendler (wohnen in Neudorf, arbeiten außerhalb): 3.467 (80 %)

–       Arbeitsplätze Gesamt in Wiener Neudorf: 11.007

–       Einpendler (wohnen außerhalb, arbeiten in Wiener Neudorf): 10.171 (92 %)

Zukunftsstudien behaupten angeblich, dass sich im Süden Wiens bis 2030 rund 250.000 mehr Menschen zusätzlich ansiedeln wollen. Die Leitbild-Ausführungen ließen nun den Wunsch der Gemeinderegierung erkennen, dass sich ein guter Anteil davon jedenfalls in Wiener Neudorf ansiedeln soll, wiewohl eigentlich jedem klar sein muss, dass der Platz dafür nicht mehr vorhanden und unsere Belastungsgrenze bereits jetzt überschritten ist.

Wie soll sich nun unser Ort laut den Visionen unserer roten Gemeinderegierung entwickeln?

Folgendes wurde der Bevölkerung bei der Leitbildpräsentation anhand von Architektenskizzen gezeigt.

–       Zu-/Abfahrt zum IZ-NORD über den Freizeitpark Reisenbauer-Ring mit Radweg.

–       Neubau Gemeindeamt beim alten Versteigerungshaus mit gleichzeitiger Schaffung eines neuen Ortszentrums mit Büros, Geschäften, Banken, etc. (Mini-Shoppingcenter).

–       Großzügige Fußgänger-Unterführung von der Badnerbahn-Station zum neuen Gemeindeamt (ähnlich Karlsplatz-Passage).

–       Umstrukturierung jetziges Gemeindeamt zu einem Jugend- und Vereinszentrum.

–       Errichtung einer Glas-Lärmschutzwand mit Fenster (Blick auf die B17) vor dem Geschäftslokal Auner, mit gemütlichen Sitzkuben (ähnlich Museumsquartier).

–       Schaffung von zusätzlichem Wohnraum und Infrastruktur (siehe Zukunftsstudien bis 2030 – plus 250.000 Menschen im Süden von Wien). D.h. Wiener Neudorf hat sich ganz einfach vorsorglich auf wesentlich mehr Verkehr und Zupflasterung einzustellen.

Bürgermeister Wöhrleitner unterstrich in seinem Abschlusswort, dass sich Wiener Neudorf dem prognostizierten Wachstum nicht entziehen darf und unweigerlich mit Wien zusammenwachsen wird. Damit wird klar, dass unser Bürgermeister die Bewahrung eines gewissen dörflichen Charakters unseres Ortes sowie den Schutz der Gärten und Grünflächen praktisch aufgegeben hat.

Man braucht nicht extra zu betonen, dass sich weder die Mehrheit der Bevölkerung noch die Oppositionsfraktionen in dieser Zukunftsvision wiederfinden und so drängen sich einige Fragen unweigerlich auf:

Ist das tatsächlich der Wunsch der BürgerInnen, die jetzt in Wiener Neudorf wohnen? Wollen wir im Jahr 2030 wirklich gerne im „Favoriten“ des Umlands von Wien wohnen? Warum sollen sich ausgerechnet die schon seit Jahrzehnten belasteten Wiener NeudorferInnen dem Wunsch nach noch mehr ungebremstem Wachstum bedingungslos unterwerfen?

Und: Soll sich eine Gemeinde den Fantasien eines einzelnen – auch wenn er der Bürgermeister ist – bedingungslos unterwerfen?