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Lärm macht krank – aber warum?

© ÖVP Wiener Neudorf

 

Ohren zu und durch? Das hilft, wenn es knallt. Aber leider nicht bei dauerhaftem Lärm! Unsere Ohren fangen alle Geräusche auf, die 24 Stunden am Tag auf uns eindringen. Das Gehör arbeitet permanent, ohne Pause. Etwa 15.000 Hörzellen, die sich im Inneren der Ohren befinden, fangen die Schallwellen jedes Tons ab, verarbeiten sie zu Signalen und schicken diese ans Gehirn. Dort werden sie bewertet.

Was ist Lärm genau? Wann stört er?

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Experten sprechen von Lärm, wenn wir durch ein Geräusch beeinträchtigt werden, uns also zum Beispiel von ihm gestört fühlen. Wann dies der Fall ist, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Unter anderem spielt die Situation eine Rolle, in der wir uns gerade befinden, die Lautstärke und die Art des Geräuschs.

Das Umweltbundesamt führt seit 2002 eine Online-Lärmumfrage durch, an der bis jetzt rund 70.000 Menschen teilgenommen haben. Die Behörde will damit erfahren, welche Geräusche am meisten plagen. Ergebnis: „Die Hauptursache für Lärmbelästigungen ist Straßenverkehr. Jeder zweite fühlt sich dadurch gestört“, sagt René Weinandy, der das Fachgebiet Lärmminderung im Verkehr am Umweltbundesamt leitet. Beim Verkeher folgen Flugzeuge und Züge auf Platz zwei und drei. Neben Verkehr zählen Baustellen, Sportanlagen und Nachbarn zu den häufigsten Lärm-Übeltätern.

Welchen Geräuschpegeln sind wir täglich ausgesetzt?

Stehen wir direkt an einer stark befahrenen Straße, sind wir einem Lärmpegel von 70 bis 80 Dezibel ausgesetzt. Rauscht ein Lastwagen vorbei, kommt er auf rund 90 Dezibel. Hebt ein Flugzeug ab, dröhnt es mit 120 bis 130 Dezibel. Eine Autohupe, die nahe neben uns ertönt, kann auf rund 100 Dezibel kommen, ebenfalls ein Rasenmäher in unmittelbarer Nähe. Unterhalten wir uns, schallt unsere Stimme mit etwa 60 bis 70 Dezibel – je nachdem, wie laut wir reden und welche Entfernung wir überbrücken müssen.

Natürliche Geräusche weisen sehr unterschiedliche Lautstärken auf. Rascheln die Blätter im Wald, verursacht dies leise zehn Dezibel. Ein feiner Landregen rieselt mit etwa 30 Dezibel vor sich hin. Rauscht allerdings ein tosender Wasserfall vor uns in die Tiefe, lassen sich bis zu 90 Dezibel messen. Donnert es über uns, können sogar 120 Dezibel zusammenkommen.

Hinweis: Die Dezibel-Werte können sehr schwanken. Sie hängen von vielen Faktoren ab – zum Beispiel, wie nah jemand von der Lärmquelle entfernt ist, welche Windrichtung vorherrscht und welche Geräusche im Hintergrund ertönen.

Wie wirkt sich Lärm auf den Körper aus? Ab welcher Lautstärke schadet er?

Lärm kann direkt das Gehör schädigen, sich aber auch auf den ganzen Körper auswirken. Sind wir kurzzeitig einem sehr lauten Geräusch ausgesetzt (ab etwa 120 Dezibel), können wir einen akuten Hörschaden davontragen. Er äußert sich beispielsweise durch Schwerhörigkeit oder Ohrensausen – also einem Tinnitus. Oft erholt sich das Ohr von diesem Zwischenfall wieder. Tückischer ist dauerhafter Lärm, der schon bei leiseren Tonlagen gefährlich werden kann. Wohnt jemand an einer stark befahrenen Straße oder ist jemand über viele Jahre am Arbeitsplatz täglich einem Pegel von 80 Dezibel und mehr ausgesetzt, kann er einen dauerhaften Hörschaden erleiden.

Zudem „löst Lärm im Körper Stress aus. Das bedeutet, unser Organismus schüttet Stresshormone aus, der Blutdruck steigt und das Herz schlägt schneller. „Wer dauerhaft Straßenverkehrslärm in Höhe von 65 Dezibel oder mehr ertragen muss, hat ein höheres Risiko einen Herzinfarkt zu bekommen. Eine Studie des Umweltbundesamtes ergab, dass nächtlicher Straßen- oder Fluglärm die Gefahr für Bluthochdruck um 14 Prozent ansteigen lässt. Überhaupt reagieren unsere Ohren auf Lärm deutlich sensibler, wenn wir schlummern. Experten warnen deshalb, dass während der Nacht schon Pegel ab 40 Dezibel der Gesundheit schaden können.

Können wir Lärm-resistent werden?

Auch wenn wir meinen, der permanente Schallpegel könne uns mit der Zeit nichts mehr anhaben, liegen wir falsch. „Der Körper leidet auch nach vielen Jahren der Lärmbelästigung noch unbewusst darunter“, so die Studie des Umweltbundesamtes. Allerdings reagieren manche Menschen empfindlicher auf lästige Geräusche als andere. Sind wir beispielsweise ohnehin gestresst, stören vorbeirasende Autos umso mehr.

Wiener Neudorf

Aktuelle Lärmkarten beweisen, dass Wiener Neudorf zu den Orten gehört, die am allermeisten vom Verkehrslärm betroffen sind. Allein eine Temporeduktion von 130 auf 80 km/h auf der A2 würde den Lärmpegel um bis zu 50 % in den betroffenen Wohngebieten senken, was sich unmittelbar auf die Gesundheit und die Lebenserwartung auswirkt.