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Sportzentrum und Sportpolitik Wiener Neudorf im Dornröschenschlaf?

Portrait Michael GnauerSportpolitik sollte mehr als das bloße Verteilen von Subventionsgeldern sein!

Mit Ausnahme der Zeit während meiner Weltreise glaube ich sicher behaupten zu können mindestens vier Mal pro Woche unser Sportzentrum zu besuchen und das mittlerweile seit fast 18 Jahren. Sport ist sicherlich mein größtes Hobby.

Während ich etliche Obleute, Kantineure, Präsidenten, Trainer und Aktive kommen und gehen gesehen habe, so sind einige „Kleinigkeiten“ unverändert, stabil geblieben. Nach wie vor gibt’s in der Sporthalle, wo sich oft bis zu 300 Personen bewegen, stolze vier Klos!! Im Keller und im ersten Stock leider keines. Sportler sind schnell genug um rechtzeitig ins Erdgeschoß zu kommen, vom „Hoffentlich ist nicht besetzt“ auf den Stiegen treppauf (Fußball, Hockey, Tischtennis, Gymnastik, Kickboxen und Squash) oder treppab (Tennis) begleitet!

Ehemalige Depoträume dienen als Unterkünfte und Garderoben für boomende Clubs. Einem Mehr an Vereinen, mit einem Mehr an Mitgliedern steht ein Weniger an Platz und Infrastruktur gegenüber. Die Statik der Halle aus den 90iger Jahren entspricht manchmal nicht der Entwicklung und Notwendigkeit neuer Trainingsgeräte. Gelegentlich befällt einen ein ehemaliges Ostblockflair, wenn man durch Gänge und Garderoben schlendert, begleitet von kaltem Neonlicht und schmutzig-grauen Wand- und Bodenbelägen. Ortspolitiker bemühen sich als Experten für Raumaufteilung, Kantinenwesen, Trainingsoptimierung und versprühen Optimismus. So gab es schon einmal einen Sportfunktionärskandidaten für den Gemeinderat. Der Fitnessmann versprach seinen Wählern unter anderem Sauna und eine Badehose. Er wurde gewählt, es gab aber weder Sauna noch Badehose.

Ich würde mir wünschen den Dornröschenschlaf sowohl im infrastrukturellen Sportbereich als auch in der Sportpolitik zu beenden.

So wäre es schön, ein Raumkonzept mit bestehenden und gewünschten Objekten zum Beispiel im Rahmen eines Maturaprojektes der HTL Mödling zu initiieren, räumliche Ressourcen und mutige Kooperationen innerhalb von Wiener Neudorf zu nutzen. Mut zu mehr innovativen Projekten. (Wenn die Gemeinde schon Schneekanonen angekauft hat, dann könnte man zum Beispiel bei den heurigen Wetterbedingungen eine Langlaufstrecke machen, anstatt sie im Bauhof verstauben zu lassen.)

Gemeindesport ist natürlich nicht nur auf Vereinssport zu reduzieren. Es gibt auch Potential bei unseren Bildungseinrichtungen, Senioreneinrichtungen und vor allem bei den Firmen und Betrieben in und auf unserem Gemeindegebiet. Gemeindeeigene Sportanlagen sollten auch, natürlich eingeschränkt, allen Gemeindebürgern auch ohne Vereinsmitgliedschaft offen stehen.

Schriftliche und mündliche Bestandsverträge unter Bedachtnahme von wohlerworbenen Genussrechten der Vereine, die die Gemeindeanlagen nutzen, sollten aktualisiert, modernisiert, angepasst und neu verhandelt werden. Kostentransparenz, Entscheidungsklarheit und Nachvollziehbarkeit von Gemeindeentscheidungen sind vor allem für Vereinsfunktionäre ein unabdingbares Muss an Information um Vereins- und Clubentscheidungen  treffsicher gestalten zu können.

All das sollten Themen bei Sport- und Vereinsstammtischen sein. Die Rahmenbedingungen müssen klar sein um Unsicherheit der Vereine zu minimieren. Die Vereine sind nicht dazu da um für Gemeindesportpolitik benützt zu werden.